Fahrdynamik & Sicherheit
Das Gierträgheitsmoment sowie der Fahrdynamikwert sind 2 Messgrößen, die die Fahrdynamik beschreiben. Was steckt dahinter?
Das Gierträgheitsmoment kann mit Pendelversuchen in Laboren ermittelt werden. Die Wohnwagen werden hierfür auf Pendelplattformen gestellt. Messungen werden dann mit einem beladenen und unbeladenen Wohnwagen durchgeführt.
Einfluss auf das Moment haben Aufbaubreite, Deichsellänge, Gewicht aber auch der Grundriss spielt eine große Rolle.
Dieser Wert kann durch korrekte Beladung, Ausnutzung der Stützlast, angepasster Reifendruck und Einhaltung der Gewichte wie Geschwindigkeiten gut kontrolliert werden.
Auch das vorhandene Zugfahrzeug kann hier positive wie negative Einflüsse haben.
Zusammenfassend wird das oft einen Fahrdynamikwert dargestellt.
Einen sehr großen Einfluss hat die Beladung und die Verteilung der Beladung.
Im ersten Fall wurde die Stützlast ausgereizt, das Wohnwagen so beladen, dass im Heck nicht all zu schwere Gegenstände geladen sind.
Die Grafik verdeutlicht, eine auftretende Schwingung wird schnell wieder abgebaut.
Das Gieren wird also weniger stark ausgeprägt sein.
Im zweiten Fall ist die Ladung eher hecklastig, auch wenn im günstigsten Fall die Stützlast nach ausreichend hoch ist, kann das Gespann so schneller in eine gefährliche Eigenschwingung geraten.
Im dritten Fall wird der Zugwagen durch eine zu hohe Stützlast und ggf. einer Überladung der Hinterachse soweit nach unten gedrückt, dass eine starke Entlastung der Vorderachse gegeben ist. Dadurch kann das Gespann nicht mehr ordentlich gelenkt werden.
Veränderungen der Achsgewichte in Abhängigkeit der Achsgeometrie
Die Achsgeometrie hat einen Einfluß auf das wirkende Gewicht auf die Achse.
Das Achsgewicht ändert sich in Abhängigkeit des vorderen Stützpunktes. Es wird im abgekuppelten Zustand niedriger sein als wenn der Wohnwagen am Auto hängt. Dieser Unterschied kann bis zu 25kg ausmachen und ist unter Anderem von der Deichsellänge abhängig.
Achslast in Abhängigkeit der Stützlast

Beispiel:
Achse gewogen = 1900kg
Stützradwaage = 100kg
L1 = 4550mm
L2 = 4050mm
Die wirkende Stützlast am Auto wird nach folgender Formel ermittelt
M(Kupplung) = 100kg x 4050mm / 4550mm
M(Kupplung) = 89kg
Auf der Achse lagern nun nicht mehr 1900kg sondern 1911kg
Weiter muss man etwas beachten, die Stützlast ändert sich mit einem Winkel zur Anhängerkupplung. Ist der Wohnwagen nach vorne geneigt, erhöht sich das Gewicht, ist der Wohnwagen nach hinten geneigt, verringert sich das Gewicht.
Achsgewichte am Zugwagen
Zusätzliche Masse (Hinterachse) = M(tb) x L2 / L1
Reduzierte Masse (Vorderachse) = M(tb) x L3 / L1 x -1
Beispiel:
L1 = 2270mm
L2 = 3570mm
L3 = 1235mm
M(Stützlast)=90kg
M(rear) = 90 kg x 3570mm / 2270mm
Zusätzliche Masse (Hinterachse) =141kg
Mfont) = 90kg x 1235mm2270kg x -1
Zusätzliche Masse (Vorderachse) = -49kg
Hinweis: Dies ist nur eine Näherung, genau genommen müsste hier noch mit Winkelfunktionen gerechnet werden!
Antischlingerkupplung
Antischlingerkupplung
Die Antischlingerkupplungen sind heute meist in Serien an den Wagen verbaut. Diese Kupplungen besitzen Reibbeläge, die seitlich und von oben auf den Kugelkopf drücken und so das Schlingern unterdrücken.
Wichtig! Die Reibbelege sind Verschleißsteile und müssen geprüft und gewartet werden. Eine Verschleißanzeige hilft dabei den Zustand zu erkennen.
Trailer Control Systeme

Grundsätzlich lassen sich Wohnwagen, sofern diese durch korrekte Beladung und angepasster Geschwindigkeit bewegt werden, problemlos ziehen. Seit einigen Jahren werden neben den Anhänger ESP im Auto, die übrigends sehr gut funktionieren, Systeme für Wohnwagen angeboten, die aktiv werden, wenn der Wohnwagen übermäßig zu Schwingen beginnt. An der Achse befindet sich ein Gerät was diese Querbeschleunigungen misst und bei bedarf die Bremse zieht.
Diese System schützen im Notfall, sind aber keine Systeme, die das Fahrverhalten beeinflussen.
Das richtige Anlegen eines Abreisseils
Die Abreisleine muss in einigen Ländern zusätzlich durch einen Karabinerhaken gesichert werden.
Bei festen Anhängerkupplungen ist hierfür meist eine Öse vorgesehen. Ist der Hals abnehmbar, muss der Karabiner an einer Öse eingehakt werden, die fest mit dem Fahrzeug verbunden ist.
(Das rechte Bild zeigt zwar wie es geht aber es ist besser, man legt die Schlaufe über den Hals und sichert dann noch mit dem Karabiner!
Geschwindigkeitsbegrenzungen
In Deutschland und in den meisten Ländern gilt eine Geschwindigkeit für Gespanne eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80km/h. Teilweise gibt es aber auch Sonderregelungen, die eine Geschwindigkeit von 100km/h oder sogar 130km/h wie in Frankreich zulassen. Dies ist aber immer an Regeln geknüpft, die eingehalten werden müssen.
Für folgende Länder gilt:
- Deutschland 80 / 100km/h
- Österreich 80km/h
- Schweiz 80km/h
- Niederlande 90km/h
- UK 96km/h
- Norwegen 80km/h
- Schweden 80km/h
- Finnland 80km/h
- Dänemark 80km/h es gibt eine Möglichkeit für eine Ausnahme auf 100km/h
- ....
In Deutschland gelten hierfür folgende Voraussetzungen:
- Der Caravan muss eine entsprechende Antischlingerkupplung aufweisen.
- Die Reifen dürfen nicht älter als 6 Jahre sein
- Caravan mit Stoßdämpfern (ist heute standart)
- Das Leergewicht des Zugwagens muss mindestens = der zul. Gesamtmasse des Wohnwagens betragen.
- maximales Leergewicht des Zugwagens darf aber nicht über 3500kg liegen!
- Zugwagen mit ABS und ESP und Anhänger ESP
Wichtig!
Diese 100er Regelung gilt nur in Deutschland und der Wohnwagen muss mit einem gesiegelten Aufkleber "100" gekennzeichnet sein. Im Ausland muss man sich an die dort geltenden Regelungen halten, unabhängig davon, ob man nun in Deutschland "100" fahren darf oder nicht.
130 in Frankreich:
Bitte auch hier beachten, in Frankreich gilt 130km/h mit Gespannnen bis max. 3,5t. Weiter gelten dennoch die für Deutschland zugelassenen Höchstgeschwindigkeiten des Gespennes. Versicherungstechnisch könnte es ebenfalls zu einem Problem kommen, würde man bei 130km/h in einem Unfall beteiligt werden.
Gewichtsklassen & Führerschein
Seit der Führerscheinreform gilt: Wer ein Gespann mit einer Gesamtmasse ab 3500kg bewegen möchte, benötigt den Führerschein B96 oder den Führerschein der Klasse BE!
B: Gewichtsgrenze Gespann max. 3500kg
- mit zulässiger Gesamtmasse von nicht mehr als 3.500 kg und
- gebaut und ausgelegt zur Beförderung von nicht mehr als acht Personen außer dem Fahrzeugführer,
auch mit Anhänger
- mit einer zulässigen Gesamtmasse von nicht mehr als 750 kg oder
- mit einer zulässigen Gesamtmasse über 750 kg, sofern die zulässige Gesamtmasse der Kombination 3.500 kg nicht übersteigt.
B96: Gewichtsgrenze Gespann max. 4250kg
Zugfahrzeug der Klasse B in Kombination mit einem Anhänger mit
- zulässiger Gesamtmasse des Anhängers von mehr als 750 kg und
zulässiger Gesamtmasse der Fahrzeugkombination von mehr als 3.500 kg und nicht mehr als 4.250 kg
BE: Gewichtsgrenze Gespann max. 7000kg
Zugfahrzeug der Klasse B in Kombination mit Anhänger oder Sattelanhänger mit zulässiger Gesamtmasse des Anhängers von mehr als 750 kg und nicht mehr als 3.500 kg
Somit muss vor Beginn der Anschaffung eines Caravans geklärt sein, was mit der vorhandenen Fahrerlaubnis überhaupt bewegt werden darf.
Kleines Beispiel:
Das Auto hat mit Zuladung, Insassen und Stützlast von 75kg eine Gesamtmasse von 1850kg.
Die Zuglast für den Wohnwagen beträgt 1600kg.
In Summe wäre das Gespann nun 3450kg schwer und dürfte mit einer normalen Fahrerlaubnis bewegt werden.
| WICHTIG: Liegt das Gespanngesamtgewicht oberhalb der jeweiligen Führerscheinklasse, so handelt es sich nicht um eine Ordnungswidrigkeit! sondern um Fahren ohne gültige Fahrerlaubnis!!! |